Vielen Dank für die Blumen, aber nehmt uns endlich ernst

Früher, als ich noch Auszubildende und Berufsanfängerin war, war es üblich an Weihnachten der Pflegenden zu gedenken, die an den Feiertagen ihren Dienst ableisten, während der Rest des Landes mit der Familie verbringt.

Mittlerweile ist Pflege ein relevantes Thema in Deutschland und daher werden wir Pflegenden nun auch während des Jahres immer öfter mit blumigen Lobeshymnen bedacht. Gerade wenn Wahlkampf ist:

Und ja, es streichelt so manche Pflegeseele, auf diese Weise etwas Wertschätzung und Anerkennung zu erhalten. Und eigentlich spricht auch nichts gegen schöne Worte.

Aber mit schönen Worten allein kann es nicht getan sein, davon gibt es viele. Wer die Nachrichten verfolgt hat, wird das beschämende Theater um die Generalistik mitbekommen haben. Da wurde erst ein Kompromiss verkündet, der so mies ist, dass man es gleich hätte bleiben lassen können (So würden zwei Drittel der dreijährigen Ausbildung zur Pflegeassistentin qualifizieren – HALLO?!), der offenbar auch noch Ergebnis eines Kuhhandels sein soll (Pflegeausbildung gegen Versandapotheke) und schließlich ruderte man doch wieder zurück. Ausgang weiterhin ungewiss.

Und dass man uns kurz nach dieser Posse großspurig zu „Helden der Gesellschaft“ erklärt, zeigt leider auch, dass man die berufliche Pflege nicht ernst nimmt. Weder als Profession, noch als Fachkräfte. Weil es mit ein paar netten Worten schon getan sein wird.

Vielen Dank für die Blumen, aber wir wollen viel lieber ernst genommen werden.

Stell dir vor Pflege steht auf und niemand sieht hin

Bestimmt kennen viele von euch den Facebook-Post von Jana Langer, die in einem offenen Brief an Angela Merkel Missstände in der Pflege anprangerte und grundlegende Reformen forderte. Schließlich wird derzeit lang und breit über ihren „Hilferuf“ berichtet.

Über die Verhandlungen für mehr Pflegepersonal im Saarland wird dagegen kaum berichtet. Dabei könnten demnächst 21 Akutkrankenhäuser bestreikt werden, wenn die nächsten Verhandlungen scheitern. (Und erinnert sich überhaupt noch jemand an den Streik an der Berliner Charité 2015?)

Ganz delikat ist es in der politischen Auseinandersetzung um die geplante Reform der Pflegeausbildung (Generalistik), bei der die drei Berufsausbildungen, nun zu einem einheitlichen Berufsbild zusammengeführt werden. Die Gegner argumentieren ganz deutlich, dass sich die Ausbildung dann für Interessierte mit Hauptschulabschluss „zu anspruchsvoll“ gestalten würde und sich auch nicht scheuen Alten- und Krankenpflege gegeneinander auszuspielen. Und im Gegensatz zu den Pflegeverbänden, die diese Reform begrüßen und fordern, können sich die Gegner Verhör verschaffen.

Wenn Pflege um Hilfe ruft, wird groß und breit berichtet. Wenn Pflege streikt, kriegt das kaum jemand mit. Und wenn Pflege etwas verändern will, schenkt man ihren Gegnern Aufmerksamkeit.

Ich frag jetzt einfach: Möchte man uns Pflegekräfte nur passiv und leidend sehen? Oder kann man sich gar nicht vorstellen, dass wir beruflich Pflegenden das Gesundheitswesen mit gestalten können?